NEW YORK

02.01.2018

Die letzte Woche des Jahres 2017 durfte ich in New York verbringen. Zwischen Konsumwahn, Weihnachtsstimmung und eisiger Kälte traf ich die eine und andere obdachlose Person. Gerade zur Winterzeit ist das Klima erbarmungslos und der Wind fegt regelrecht durch die Strassen dieser Grossstadt. Zu allem hin war es in diesen Wochen kälter als in den letzten 50 Jahren. Mit -14°C (gefühlt gemäss Wetter App als -20°C) fühlten sich die Windböen wie eisige Nadelspitzen auf der Haut an.

Es war mir ein grosses Anliegen, in meinen Ferien auch etwas zurück zu geben und so entschloss ich mich Decken und warme Kleidung sowie Tee oder Kaffee an die Obdachlosen zu verteilen. Die meisten nahmen die Gaben mit grossem Dank an und kuschelten sich in die warmen Stoffe. Manch ein Gespräch entstand dadurch und ein netter Herr erzählte uns von seiner Begabung, Menschen anhand ihres Dialektes den dazugehörigen Ländern zuordnen zu können.

Ein anderer Herr wünschte sich nichts mehr als einen heissen Kaffee und war total überfordert, als ich ihm auch etwas zu Essen holen wollte und ihn danach fragte, was er denn gerne wolle. Er sei mit einem Kaffee schon sehr zufrieden und brauche nicht noch mehr.

Am meisten beeindruckten mich jedoch die Menschen, die nichts hatten und mir das Geld, das ich ihnen gab, nachwarfen. Anfänglich schämte ich mich, aus dem Gefühl heraus, zu wenig gegeben zu haben. Aber dann merkte ich, dass gewisse Menschen nicht ohne Grund ohne Hab und Gut dort gelandet sind, wo sie jetzt sind. Denn wie heisst es so schön; wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert...

Das Geld liegt in New York auf der Strasse. Andauernd fand ich Münzen und sogar auch Scheine auf dem Boden liegen. Ich war nicht zu faul diese aufzuheben und erfreute mich an jedem Cent, den ich finden konnte, denn dieses Geld wurde dem nächsten Bedürftigen gerne weiterschenkt. Doch ich musste feststellen, dass für viele ein paar Cent Stücke keinen Wert haben. Sie wollen dieses "kleine" Geld nicht und werfen es dir verächtlich nach. Sie wollen mehr... das grosse Geld... alles auf einmal... und sie vergessen dabei, dass viele kleine Teile ein grosses Ganzes ergeben könnten.

Wie gesagt, anfangs war ich beschämt. Doch dann wechselte ich meinen Blick und mir wurde klar, dass mir das Geld wortwörtlich nachgeworfen wurde....

Ja, mir geht es gut. Mir geht es gut, weil ich es zulasse und die kleinen Momente sammle und zu einem grossen Ganzen zusammenfüge. Und weil ich trotz Hindernissen und Rückschlägen immer wieder aufstehe und dankbar das kleine Glück annehme.

Dieser Artikel soll zeigen, dass wir sowohl finanziell als auch emotional das Kleine schätzen sollten und es sammeln können, bis es sich gross anfühlt.

Ich wünsche dir im neuen Jahr viele dieser kleinen Momente, die sich im Nachhinein als grosses Geschenk herausstellen.

Alles Liebe

Jasmin