Mein ungeschminktes Leben

06.04.2017

Ich lebte seit meiner frühen Jugend in einer Partnerschaft. So, wie es mir beigebracht wurde! Als gute Partnerin liest "man" dem Mann die Wünsche von den Augen ab. "Man" opfert sich auf, damit "man" heroisch sagen kann, ich habe alles für ihn gemacht. "Man" stellt seine Bedürfnisse hinten an, weil "man" dies so macht. "Man" kämpft um die Beziehung, koste es, was es wolle.

Und eines Tages wachte ich auf und wollte nicht mehr "man" sein. Wer ist überhaupt dieser "MAN"?

Ich entschied mich, ich selbst zu sein und begann zu leben. Mein Leben, und nicht jenes von diesem "man"!

Anfangs war es sehr schwierig meine Konventionen abzulegen. Vorgegebene Grenzen zu überschreiten und meine eigenen Richtlinien zu definieren. Ich befreite mich von der Maske, welche mich nicht mich selbst sein liess. Und ich stellte fest, dass ich mich, wenn immer ich jemanden taff, verstellte, um möglichst genau in dessen Bild zu passen.

Plötzlich konnte ich mich ungeschminkt zeigen. Genau so, wie ich als Mensch bin. Mit all meinen Makeln! Und ich durfte feststellen, dass der Grossteil meiner Mitmenschen dies sehr zu schätzen wusste!

Seit dem ich zu mir stehe habe ich ein für mich viel angenehmeres Leben. Menschen sind zu mir gestossen, die mich so schätzen, wie ich bin. Sie legen keinen Wert darauf, dass ich mich in dieses vorgegebenes Raster anpasse. Und alles wurde so viel einfacher.

Klar habe ich "Freunde" verloren. Doch im Nachhinein durfte ich feststellen, dass diese Menschen lediglich meine Maske interessant fanden. Wollen wir uns immer verstellen müssen, um angenommen zu werden? Ich denke nicht! Solange wir diese Maskerade aufrechterhalten, werden wir genau die Menschen verpassen, bei denen wir uns selber sein dürfen.

Ich wünsche mir ein Leben, in dem jeder sich selber sein darf und kann.

©Jasmin Corinna Hof - Dieser Text ist im Buch "ungeschminkt Frau" erschienen. Weitere Details findest du unter  www.ungeschminkt-frau.ch oder auf  www.sheema-verlag.de.